Tel.  +43 6642009495  I   kotz@wpk.at

© 2018 by Galerie Sonenfels

Aerztekunstverein.png
  • Facebook Social Icon
  • Twitter Social Icon
  • Google+ Social Icon
  • Instagram Social Icon
  • LinkedIn Social Icon

ARZT UND MALER

Die Vernissage war ein großer Erfolg mit über 40 Besuchern. Bitte  das Video öffnen: http://www.wntv.at/page/video/MTc5NDc4

Eröffnungsrede für Günter Fischer, am 5.12.2013

 

Bild und Lichteffekte mit Laser

 

KUNST IST EMOTION

 

Kunst soll bewegen und irritieren

Ich freue mich die spannende Ausstellung von Günter Fischer eröffnen zu dürfen. Seine Kunst bewegt und polarisiert und leuchtet!

 

Günter Fischer ist ein facettenreicher und vielseitiger Künstler, für den die Malerei seit 1960 ständiger Begleiter ist. Sein Kunstschaffen ist gekennzeichnet von seiner Experimentierfreudigkeit und einer künstlerischen Mission für den Frieden, der er sich verschrieben hat.

 

Von 1960 bis 1963 hat der Künstler bei Frau Prof. Matejka Felden an der Akademie Unterricht  genommen. Zeitgleich, von 1960 bis 1966 hat er begonnen Medizin zu studieren und das Studium erfolgreich abgeschlossen.

Zu dieser Zeit, hat sich Fischer mit der Farbe ausgetobt. Vorbilder wie Oskar Kokoschka und van Gogh bestärkten seinen kreativen , farbstarken Ausdruck. War seine Malerei zuerst gegenständlich, wurde  sie später expressionistischer und abstrakter.

Der Künstler arbeitet mit Acryl oder Öl, die Tiefenwirkung erzielt er mit dem Auftrag von PU-Schaum.

 

In der Tradition, der österreichischen Aktionisten, wurde von G. Fischer der Aktionismus als Kunstgattung entdeckt und Performance Painting, bei der oft die Aktion wichtiger war, als das Ergebnis.

 

Die Medizin konnte er mit der Malerei verbinden und sie einfließen lassen, ich denke sie ist auch für seinen Erfolg als Arzt und seine Menschlichkeit  prägend gewesen.

Leitete er doch von 1964 bis 1966 die Maltherapie an der Univ. Klinik für Psychiatrie in Wien.. Als erfolgreicher Arzt hatte er einen anderen Umgang mit dem Tod. So scheint es auch ganz natürlich, dass er Blut als Farbe und Farbstoff für seine Malerei entdeckte..

 

Nur wenige Maler gibt es, die mit Eigenblut arbeiten. So wird der emotionale Zugang noch deutlicher in Fischers Werk. Aktionistische Blut-Aktionen waren oft ein Aufschrei für den Frieden oder als Mahnmal zu deuten.

Erst in den 60iger Jahren wurde in Österreich mit Blut gemalt. Zu nennen ist der österreichische Aktionist Günther Brus, der sich selbst verletzte und Hermann Nitsch, der für sein Orgien-Mysterien-Theater frisches Tierblut benützte. Joseph Beuys verwendete in den 1960er Jahren Hasenblut, um noch einen der bekanntesten Künstler zu nennen. Anders gingen Frauen mit Blut um, sie ließen es in den 70er Jahren in Performances  fließen Entdeckten sie doch das persönliche Material für sich, um auf Gewalt, Vergewaltigungen und Verbrechen an Frauen aufmerksam zu machen und christliche Traditionen aufzubrechen. (Denkt man an Marina Abramovic, Gina Pane, oder Jenny Holzers Bildzyklus „Lustmord“ von 1993).

 

In New York gibt e einen jungen Eigen-Blutmaler, der mit seinen düsteren Arbeiten schockieren will. Vincent Castiglia stammt aus der Tattoo-Szene und zeichnet grauenvolle Szenarien mit Eigenblut. Genau wie Fischer sucht er auch eine direkte Verbindung zu seinen Arbeiten.

 

Günter Fischer ergänzt die Bedeutungsgeschichte der Blutmalerei, indem er KRIEG UND FRIEDEN thematisiert.

 

Zwei dramatische Einschnitte sind im Leben des Künstlers zu nennen, die sein Künstlerisches Schaffen stark beeinflussten und ihn in einen emotionalen Ausnahmezustand versetzten. 

 

Fischer, der als jüngster Primar Österreichs, die urologische Abteilung im Krankenhaus des Göttlichen Heilands aufgebaut hat, hat immer gemalt.  Er wird selbst 1992 mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Wieder ist es die Kunst, die ihm als Ausdrucksmittel und Ventil dient. Die Psychoonkologische Malerei war geboren, für ihn zuerst reine Selbsttherapie, wurde sie in der Medizin erfolgreich als Krebstherapie eingesetzt.

Das Großformat mit dem Titel „Das Prostataspezifische Antigen“ entsteht in der Zeit der Erkrankung.

 

Fischer ist ein politischer Künstler, der nicht wegschaut, sondern mit seiner Kunst sichtbar macht. Der Frieden in der Welt ist ihm ein wichtiges Anliegen. Im Stiegenhaus stehen sie vor der eindrucksvollen Arbeit „After the Holocaust“ Fischer ist hier der Frage nachgegangen: „Was geschieht mit den Opfern des Holocaust?“)

 

Frieden als Vision , die aktionistische KRAFT und der Ursaft des Lebens werden von Günter Fischer vermengt. Der Prozess des Malens wird oder ist Aktion.

 

Fischer bearbeitet ein breites Themenfeld. Porträts „Max“ ist ausgestellt, Landschaften, Städtebilder („Jerusalem, die goldene Stadt“ oder „Bad Fischau-Brunn“ sind hier ausgestellt ) die durch das Laserlicht noch intensiver in die Tiefe wirken.

 

Günter Fischer gibt alles in seinen Blutarbeiten. Er geht durch das Malen Beschmieren, Betropfen mit seinem Eigenblut eine Verbindung ein, die enger nicht sein könnte. Das Malmedium Eigenblut ist kostbar, weil nur in beschränkter Dosis vorhanden.

 

2001 lernt Günter Fischer Hermann Nitsch kennen und macht aus Neugier in Prinzendorf bei einem Mysterienspektakel mit. Er hat einfach  seinen Dienst als Arzt vor Ort angeboten.

 

Nitsch arbeitet mit Tierblut, Da gibt es eine starke Abgrenzung zu Hermann Nitsch , denn Günter Fischer verwendet das wertvollere Menschenblut, sein eigenes. Sein Blut ist ein Teil  von ihm.

 

In der Ausstellung sehen sie ein Bild von Hermann Nitsch, das von Günter Fischer überarbeitet wurde, sozusagen berichtigt im Sinne von Fischer , betitelt „Rotes Kreuz“. Das Bild von Nitsch zeigt seine Erythrozyten (=roten Blutkörperchen). Fischer hat diese mit seinem Blut übermalt, jetzt sind in jedem Blutstropfen enthalten.

erythrós = rot. (Griechisch)

 

Blut steht für das Leben, wie für den Tod. Einen ganz besondere Saft, nannte es Johann Wolfgang von Goethe . Friedrich Nietsche sagte: „Schreibe mit Blut und du wirst erfahren dass es Geist ist.“

 

Fischer geht es um Hingabe und Zulassen von spontaner Unkontrolliertheit,. Mit Blut zu malen heißt auch Aggresives und Destruktives Potential zulassen zu können.

 

Der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung erkannte das psychologische Potential von Blut: „ verlautete er doch“ Erst das sich opfern können, beweist das sich haben.“

Günter Fischer bringt seine Blut-Opfer für den Frieden.

 

Radikaler im Ausdruck geworden, findet Fischer im Aktionismus einen Bereich, in dem er emotional zu Hause ist. Emotionsgeladen setzt er kraftvoll die Performance-Kunst in Szene.

Geht auf in ihr mit bis zu 70%igem Einsatz an Eigen-Emotion. Das Schlagwort „Emotionismus“ ist geboren.

 

Der zweite große Einschnitt war der frühe Tod seiner Tochter . Es entstanden bei dieser Innenschau große düstere Formate. Dieses Triptychon ist ausgestellt. Durch die Bestrahlung des Laserlichts, wirken die drei Großformate sakral.

 

Emotionismus

 

Der Künstler möchte Emotionen mit seiner Farbpalette hervorrufen. Im Vordergrund stehen Lebendigkeit, Aktionismus und Emotionismus.

 

Lasershows

 

Bei dieser Ausstellung werden Bilder mit Emotionen verbunden. Malerei wird ins Licht des Laser gerückt .

 

Ein Farbenfeuerwerk entsteht!

 

Das neuere Feld, in dem sich der Künstler verwirklicht, sind seine Laser-Shows.

Wieder ist es ein flüssiger Werkstoff, das Wasser, das der optimale Lichträger wird. In jedem Wasser-Tropfen spiegelt sich das Licht, wenn Wasser belasert wird.

Diese Farbintensität, die Schnelligkeit , das Flüchtige, die Graphische  Vervollständigung durch Wellen und Spiralen, macht die Faszination dieser Punkt-Strich-Kunst aus.

 

Hier in der Ausstellung werden zahlreiche Werke mit dem Laser beworfen, dadurch entsteht eine eigene Farb- & Licht-Intensität. Die Verspieltheit des Künstlers, die eigene Kunst in ein anderes Licht zu setzen..., aus seinem Farbspektrum auszubrechen und Licht für den Frieden zu entfachen ist seine Botschaft.

 

Frieden als Vision , die aktionistische KRAFT und der Ursaft des Lebens werden von Günter Fischer vermengt. Der Prozess des Malens wird oder ist Aktion.

 

Die Austellung

 

Ein spannender Querschnitt von Günter Fischers Arbeiten wird gezeigt.

Die einzelnen Themenfelder, wie die Landschaft, der Akt, Frieden und Blut wurden zu einem Gesamtkunstwerk arrangiert.

 

Günter Fischer malt immer vor Ort, wie z.B. bei seinen Landschaftsbildern, von denen sehr viele in Griechenland entstanden sind. Er benützt gerollte Leinwände, die er dann wieder zurück in seinem Atelier in Bad-Fischau-Brunn auf Keilrahmen aufspannt.

 

Die Landschaften sind spontan entstanden, emotionsgeladen, spiegeln sie die Stimmung des Künstlers und nehmen die Außenstimmung auf.

Es werden neben der kräftigen Farbpalette auch Applikationen in die Bilder eingearbeitet, Papier, Alu, Schnüre, Steine, Muscheln. Der pastose Farbauftrag erzeugt die haptische Tiefenwirkung.

 

In den Landschaften finden sich zahlreiche Sonnenmotive mit einer intensiven Leuchtkraft wieder. Die Friedenssonne ist als Beispiel zu nennen, Sonnenaufgänge, Stürme, Sonnenuntergänge. Die Freude an der Farbe ist gerade in der Natur geblieben.

Zu den Lieblingsarbeiten des Künstlers gehört die 2013 mit Tsunami betitelte Arbeit.

 

Doch gibt es auch düstere Bilder, düstere Landschaftsbilder, die nach persönlichen Schicksalsschlägen entstanden sind, an denen der Künstler gereift und gewachsen ist.

 

G. Fischer hat diese Einschnitte in seinem Leben künstlerisch umgesetzt, wie er selbst sagt, hat das Leben auch schwarze Seiten.“ Er verarbeitet  seine Gefühle, bringt Emotionen ein und ruft Emotionismus (das was beim Betrachter ausgelöst wird) hervor.

 

Eine großformatige schwarz-weiße Arbeit mit dem Titel Tornado ist ausgestellt.

 

Eine Besonderheit sind die herausragenden Blutbilder des Künstlers.

Im oberen Stock finden Sie diese Werke in 2 Kammern, der Künstler nennt sie die Blutskammern.

Dem Mediziner Günter Fischer ist es auch ein Anliegen, dass sich Menschen mit dem eigenen Sterben, dem Tod auseinandersetzen, sich vorbereiten., ihn nicht aus dem Leben verdrängen. Die zwei ausdruckstarken Kleinformate mit dem Titel „Mortuum“ belegen das.

 

Die Arbeit „Das ist mein Fleisch, das ist mein Blut“ zeigt beblutete Ultraschallbilder des Künstlers, auf einem Kapitel des Alten Testaments und dokumentiert den Umgang mit seiner heute überstandenen Erkrankung.

 

Dieser Tradition folgend, ist ein Kelch ausgestellt, „der Gral“ , auf Acrylglas wurde das Blut des Künstlers aufgebracht.

 

Eine bedeutende und hervorstechende Arbeit ist der 1999 entstandene

„Kriegshimmel über Kosovo“, wieder ein Bild für den Frieden, der Übertitel Ars pro pace belegt das.(Kunst für den Frieden)

Dieses Bild birgt Gewalt , den Tod und die Fesselung in sich. Der Künstler hat tote Tiere, tote Gestirne, 1 Feder, 1 Tupfer mit seinem Blut übermalt.

Am unteren Bildrand befindet sich ein Handschuh, die Hand des Aggressors. Zwischen den Fingern eine Zigarre, die ein menschlicher Mittelhandknochen ist.

 

Als Symbol des Friedens eine Tür, die  „Friedenstür“ zu verwenden, ist eine starke Aussage des Künstlers. 

 

Im Monitorraum im Erdgeschoß wird der eindrucksvolle Herzzyklus mit 17 Arbeiten gezeigt. (Beblutete Echokardiogramme von G. Fischer)

 

Kraftvolle Mal-Aktionen, Aktionismus in reinster Form, Blut-Happenings und Performances, Fischer führt den Aktionismus in die Gegenwart und fördert bei seinen Mal-Aktionen auch Kinder, für die er sich sehr einsetzt.

 

Als Künstler und Mediziner ist Fischer voller Hingabe. Er setzt seine Sensibilität, wie ein Seismograph ein und scheut sich nicht seine Gefühlswelt mit kräftiger Farbe und seinem Blut darzustellen.

 

Günter Fischers künstlerisches Werk ist beeindruckend auf Grund seines Material-Cross-Overs und seiner Emotionalität! Es ist anzusiedeln in der modernen, zeitgenössischen Malerei.

Er läßt uns hier an seiner Vision durch den Einsatz von Licht und Laser teilhaben. Die Trägermaterialien seiner Botschaft „peaceful passion“, wie der Titel eines seiner Bilder lautet „Friedliche Leidenschaft!“

 

 

Verena Nussbaumer, Dezember 2013